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Das ganze Kind ist krank

 

Gewichts- und seelische Probleme junger Asthmatiker erfordern fachkundige Beratung

 

Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung des Kindes- und Jugendlichenalters. In den letzten 20 Jahren haben sich die Möglichkeiten von Prophylaxe (Vorbeugung), Rehabilitation, Therapie und damit die Lebensperspektiven der jungen Patienten zwar deutlich verbessert. Dennoch wird ungebrochen weltweit eine weitere Zunahme von Atemwegserkrankungen beobachtet. Zurzeit sind in der Bundesrepublik Deutschland mindestens eine Million Kinder betroffen. Die Erkrankung ist die häufigste Ursache für Fehlzeiten in Schule und Kindergarten.

 

Bereits im Kleinkindalter beginnt die Krankheitskarriere mit häufigen viralen Atemwegsinfekten. So genannte obstruktive Bronchitiden werden durchgemacht. Dabei „verstopfen“ die Atemwege durch zuviel zähes Sekret (Schleim). Der Durchmesser der Bronchien wird kleiner durch Schleimhautschwellungen von innen, wie auch durch Muskelverkrampfungen von außen. Die Kinder haben oft nicht nur die für das Asthma charakteristische Luftnot beim Ausatmen, sondern auch beim Einatmen. Asthmabegleiter, wie Schmerzen oder der Versuch das zähe Sekret abzuhusten, treten über lange Zeiträume auf und quälen die jungen Patienten.

 

Moderne Medikamente bewirken schon viel

Heutige Arzneien sind mit entkrampfenden und antientzündlichen Substanzen in der Lage, das Schlimmste für die Asthma-Kinder zu verhindern. So muss keiner mehr an einem schweren Asthmaanfall sterben.

Regelmäßige Inhalationen drängen die Entzündung zurück, die kindliche Lunge kann sich trotz der Erkrankung während des Wachstumsalters weiter- und mitentwickeln. Das Atemwegsorgan erfährt sozusagen keinen Minderwuchs, in der Gewebsstruktur entwickeln sich keine bleibenden Schäden.

Das noch bis vor zwei Jahrzehnten häufig beobachtete Bild der durch Asthma deformierten Brustkörbe und das schon im jugendlichen Alter bleibend geschädigte Lungengewebe (nachweisbar über Röntgenbilder und darstellbar durch schlechte Lungenfunktionswerte) wird kaum noch beobachtet.

Hilfreich, hochwirksam und damit mitverantwortlich für diese Entwicklung ist unter anderem die Durchführung von Asthmaschulungen nach den Standards der Arbeitsgemeinschaft für Asthmaschulung (AGAS). Hierbei lernen die kleinen Patienten in altersgerechter Weise, aber auch deren Eltern, alles Notwendige zur Änderung der Lebensführung, zur Vorbeugung und Behandlung der Krankheit sowie die richtigen Maßnahmen bei Notfällen, im günstigsten Fall bereits Strategien zur Notfallvermeidung.

 

Leidensphasen sind kaum vermeidbar

Während die jungen Patienten jedoch die zahlreichen, nicht vermeidbaren Atemwegsinfekte durchmachen, leiden sie. Und ebenso leiden die Eltern!

Noch immer ist die aufwendige Inhalationstherapie bis zu vier Mal täglich ein gemeinsamer Kampf von Kindern und Eltern. Die Kinder haben Atemnot, sind verzweifelt und ängstlich. Das Fieber belastet den Kreislauf und stört den Schlaf-Wach-Rhythmus. Eine geregelte Nahrungsaufnahme, selbst Trinken, sind nicht immer möglich. Alles konzentriert sich auf eine schnelle, anstrengende, häufig schmerzhafte und kräftezehrende Atmung.

Neben den unter Umständen lang andauernden Inhalationen am Gerät sind zusätzliche Therapien notwendig. Physikalisch stehen Abklopfen und Flutter-Maßnahmen im Vordergrund. Weitere Medikamente, beispielsweise Antibiotika und Antiobstruktiva, müssen verabreicht werden. Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt, Belastung des Kreislaufs und eine erhöhte Herzfrequenz stellen sich ein.

In diesen Phasen können die Kinder nicht spielen, nicht die Welt „begreifen“, nicht in den Kindergarten gehen oder nicht regelmäßig am Schulunterricht teilnehmen. Es kommt zu Lücken in der Entwicklung, die nur schwer geschlossen und aufgeholt werden können. Häufen sich durch Infekte oder auch durch Allergenexposition ausgelöste Asthmaepisoden, tritt nicht selten ein Teufelskreis ein, aus dem sich die Kinder und ihre Familien nur schwer befreien können.

 


Krankheit belastet die ganze Familie

 

Erschöpft sind nicht nur die kranken Kinder. Die ganze Familie ist betroffen: In der Regel konzentriert sich die Verantwortung auf die Mütter. Andere (Geschwister, Ehepartner) werden vernachlässigt, Gemeinschafsaktionen der ganzen Familie sind durch die Krankheit des Asthma-Kindes eingeschränkt. Ängstlich meidet man Kontakte insbesondere zu Gleichaltrigen, um die Gefahr neuer Infekte zu verringern. Das Leben wird weniger aktiv, es wird passiv gestaltet.

Helfen Sie Ihrem Kind !

Helfen Sie Ihrem Kind ! Hören Sie auf zu rauchen !

 
Viel allein und kaum aktiv

So spielen die Patienten oft allein. Im günstigen Falle lesen sie viel. Häufiger sehen sie jedoch fern oder verbringen die Zeit am Computer und an Spielkonsolen. Sie fühlen sich oft einsam und ausgegrenzt. Süße Sachen fungieren bei vielen als Seelentröster. Aber durch die wenig aktive Lebensführung verbrauchen die Asthma-Kinder weniger Kalorien als ihre gesunden Altersgefährten. Trotzdem essen sie oft zu kalorienreich, zu fett und zu große Portionen. Zwischendurch wird vor dem Fernseher genascht und dazu werden große Mengen gesüßte Fruchtsäfte getrunken.

 
Zweiterkrankungen entwickeln sich schleichend

So treten dann Zweiterkrankungen auf, wie etwa Störungen des seelischen Befindens und immer öfter auch Übergewicht und Fettsucht (Adipositas). Dies geschieht oft schleichend und zunächst kaum merklich, später jedoch unübersehbar. Hinzu kommen Folgeerkrankungen der Adipositas, wie Bluthochdruck, Störungen im Fett und Zucker-Stoffwechsel oder auch orthopädische Probleme, die gerade in einer Wachstumsphase die Gefahr einer nicht behebbaren Verformung des Skelettsystems mit sich bringen. Sie verschlimmern die Situation. Asthma-Kinder leiden zudem durch den erhöhten Fettanteil des Gewebes im Bereich des Brustkorbes an Beklemmungsgefühl, Atemnot sowie Husten bei körperlicher Belastung, insbesondere beim Sport. Verständlicherweise meiden sie jetzt in besonderen Maße jede körperliche Anstrengung, weil sie unangenehme Begleiterscheinungen verursachen.

 

Asthma - Übergewicht

 

In jüngster Vergangenheit haben Mediziner beobachtet, dass Asthma und Übergewicht sich wechselseitig beeinflussen:

Einerseits führt die Atemwegserkrankung durch die Inaktivität der Kinder zu krankhaftem Übergewicht. Andererseits finden sich zunehmend Hinweise dafür, dass die Fettzellen durch die hormonelle und insbesondere immunologisch entzündliche Aktivität das Risiko für die Entstehung eines Asthma bronchiale erhöhen.

So ist manchmal die Unterscheidung nicht einfach, ob es sich bei den Atemproblemen um Folgen der Adipositas und des Übergewichtes handelt. Beispielsweise durch Zwerchfellhochstand, durch erhöhten Atmungsbedarf bei niedrigem Fitnessniveau oder durch das Zurückfließen von Magensäure in die Speiseröhre (gastroösophagaler Reflux) Liegt tatsächlich eine Asthmakrankheit beziehungsweise Überempfindlichkeit der Bronchien vor? Das muss sorgfältig diagnostisch geklärt werden.

 

Spezielle Therapieangebote

Leiden Asthma-Kinder wegen ihrer eingeschränkten Atmung, geringer körperlicher Aktivität und der Veränderung des Äußeren zur Fettleibigkeit auch an emotionalen Störungen, müssen diese mitbehandelt werden.

Die wenigsten der jungen Patienten sind tatsächlich im engen Sinne psychisch krank. Doch gerade Kinder mit Asthma bronchiale aber auch Neurodermitis (atopisches Ekzem), Allergien und der Zweitkrankheit Adipositas weisen immer häufiger deutliche seelische Störungen auf. Ebenso scheint der Schweregrad psychosomatischer/psychosozialer Beeinträchtigungen gravierender zu werden. Spezielle Therapieangebote durch Kinder- & Jugendpsychiatrie und –psychotherapie die ambulant oder während einer stationären Rehabilitation genutzt werden können, helfen Kindern, ihr seelisches Gleichgewicht wieder zu finden.

 


Fazit

 

Junge Asthmapatienten mit Zweit-, Dritt- und Mehrfacherkrankungen brauchen zur Gesundung das vernetzte Handeln von Eltern, Kinder- und Hausärzten, Pneumologen, Fachärzten für Kinder- & Jugendpsychiatrie und –psychotherapie und auf ihre Bedürfnisse spezialisierte Rehakliniken.

Mit aktiver Einbeziehung der kranken Mädchen und Jungen lassen sich die Gefährdungen für die jungen Patienten zurückdrängen. Ihr Gesundheitsstatus kann verbessert und die objektiv gegebene Chance der Kontrollierbarkeit des Asthma bronchiale über die moderne Pharmakotherapie kann vollständig für ein langes Leben ohne Atemnot genutzt werden.

Wir danken Herrn Dr. med. Hartwig Höhre für diesen Artikel.

Herr Dr. med. Hartwig Höhre ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin – Allergologie, Chefarzt der Fachklinik Santa Maria, Oberjoch / Allgäu

 


Weitere interessante Informationen zu diesem Thema finden Sie hier:

www.asthmaschulung.de